Der Apfelwein und die Gesundheit
Wer im Zusammenhang mit alkoholischen Getränken von Gesundheit redet, erntet zumeist ein mehr oder weniger nachsichtiges Lächeln. „Na ja“, denken dann die anderen, „der sucht halt einen Grund zum Trinken.“ Richtig, ihr Zweifler, wir trinken Apfelwein, auch weil er nachweislich gesund ist. Unter allen alkoholischen Getränken dürfte das Stöffche wohl zu den Bekömmlichsten zählen; in Maßen genossen, versteht sich. Wer ihn mißbräuchlich einsetzt, muß, wie überall, mit der entsprechenden Quittung rechnen. „Modus est in rebus“, sagt der Lateiner, ein Maß ist in den Dingen. Wo gilt dieser Satz mehr als beim Trinken?
Die gesundheitsfördernde Wirkung des Apfelweins wird von der medizinischen Literatur durchweg und vorbehaltlos anerkannt. Wer trotzdem daran zweifelt, kann sich per Augenschein auch selbst davon überzeugen. Vor allem während der Dämmerzeit hocken in den einschlägigen Lokalen in und um Frankfurt Tausende eingeschworener Apfelweintrinker, die ihr Leben lang regelmäßig jeden Tag ihre vier bis sechs oder acht Schoppen gepetzt haben. Und sie alle haben das Pensionsalter längst überschritten.
Allein am Apfelwein kann das aber wohl nicht liegen, werden nun dieselben Zweifler einwenden. Und wahrscheinlich haben sie damit recht.
Allein das Stöffche macht es sicherlich nicht, allenfalls hilft es bei einem gesunden Leben - in gewissen Maße. Offenbar ist es nämlich so, daß Apfelweintrinker auch eine ganz bestimmte Sorte Mensch vertreten. Sie sind innerlich gelassen, vielleicht ein bißchen weltabgewandt, mehr zur Stille, denn zur lauten Hektik neigend. Irgendwann finden solche Menschen ganz von selbst zum Apfelwein als ein Getränk, das zu ihrem Wesen am besten paßt.
Allmählich entwickelt sich zwischen Mensch und Getränk eine Wechselbeziehung, aus der sich über lange Jahre dann eine ganz bestimmte Lebensart entwickelt. Geist und Körper finden zu einem Rhythmus von Ruhe und Ausgeglichenheit, der sicher nicht ohne Einfluß auf die Gesundheit bleibt. Das ruhige Ritual des Trinkens, das gesetzte Drumherum der jahrhundertealten Apfelweintradition sind äußere Zeichen der inneren Haltung.
Manchen Verhaltensweisen widersetzt sich der Apfelwein schon von Natur aus. Wir haben noch nie erlebt, daß jemand selbst beim größten Durst ein Glas Apfel-
wein in einem Zug vollends hinunterstürzte, wie das beim Bier ohne weiteres der Fall ist. Denn ein frisch gespritzter, kühler Apfelwein löscht mit seiner prickelnden Säuerlichkeit den ärgsten Brand schon nach wenigen Schlucken. Für Gewaltakte des Trinkens ist er gänzlich ungeeignet. Stellen Sie sich einmal vor, man würde Apfelwein wie Bier aus sogenannten Stiefeln trinken, unvorstellbar. Im Apfelwein liegt Ruhe. Ruhig steht er im Glas, ruhig und gelassen will er getrunken werden. Er drängt sich nicht in den Vordergrund einer Tischrunde wie der Wein, um den sich dann meistens auch die Gespräche drehen. Er will aber auch nicht zum anonymen Durstlöscher degradiert werden, wie das meistens beim Bier der Fall ist. Er will in seiner unverwechselbaren Eigenart gewürdigt werden, als ein bescheidener Unterhalter, der die Kommunikation zwar fördert, sie aber nicht beherrscht.

Medizinisch betrachtet
Nach dieser psychologischen Abschweifung nun aber zur ernsthaften medizinischen Betrachtung des Stöffchens. Wir zitieren einen Beitrag von
Dr. med. Oscar Hammer aus der „Bad Nauheimer Kurzeitung“, Nr. 7/1974. Hammer, Facharzt für innere Krankheiten und Lungenfacharzt, hat seine Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen des Apfelweinkonsums in einer umfangreichen Versuchsreihe auch empirisch nachgewiesen.
Doch zunächst einige allgemeine Vorbemerkungen zu den medizinischen Aspekten: Ein Glas (o,25 Liter) Frankfurter Apfelwein einer bekannten Kelterei (wir beziehen uns im folgenden auf das Getränk einer Großkelterei wegen seiner mehr standardisierten Eigenschaften) enthält 84,5 Kalorien. In derselben Menge Weißwein sind 152 Kalorien, in Exportbier 112, in Apfelsaft 120, in Rotwein 173 und in Sekt 226 Kalorien enthalten. Der Apfelwein gilt als ein Getränk, das nicht müde macht, sondern den Kreislauf und das Nervensystem anregt. In ihm sind organische Fruchtsäuren, Mineralien, Zucker, Aromastoff und etwa 5,5 Volumenprozent Alkohol gebunden. Die beste Trinktemperatur liegt bei etwa 12 Grad Celsius.

Eine medizinisch-wissenschaftliche Bestandsaufnahme des Apfelweins ergibt theoretisch folgende positiven Wirkungen:
1.
Anregung der Verdauungsdrüsen und damit der Verdauung.
2. Verbesserung der Magendurchblutung.
3.
Bei älteren Menschen liegt oft ein Salzsäuremangel (Einschränkung bis Fehlen) vor, der durch Apfelwein ausgeglichen (kompensiert) wird.
4.





Der Alkohol im Apfelwein wirkt zusammen mit Salzsäure bakterizid und beugt ansteckenden Magen- und Darmkrankheiten vor (Prophylaxe). Die Entwicklung von krankmachenden (pathogenen) Bakterien wird gehemmt und Bakterien abgetötet. Bei Darminfektionen wie Typhus, Ruhr, Paratyphus, Cholera und Coli-Infektionen im Bereich des Nierenbeckens, Harnblase und Gallenblase wirkt der Wein bakterizid. Auch im Fleisch verkapselte Trichinellen werden aufgelöst und abgetötet.
5. Nebenwirkungen von Digitalis werden ausgeglichen.
6.

Der Blutspiegel von therapeutisch angewandten Antibiotica (Penizillin) wird länger hoch gehalten.
7. Die Atmung wird vertieft und das Atemminutenvolumen erhöht.
8.
Eine Lösung des Bronchialkrampfes (Bronchialspasmus) bei asthmatischen Zuständen wird beobachtet.
9.
Heißer Apfelwein mit Zimt, Zucker und Zitronensaft ist wirkungsvoll bei grippalem Infekt, Bronchitis und Erkältungskrankheiten.
10.



Eine Durchblutungsverbesserung des Herzmuskels (Herzkranzgefäße) und eine Beruhigung der Psyche (Spannungen) wird beobachtet, so daß Beschwerden im Sinne einer Angina pectoris gebessert werden können. Auch die schmerzstillende Komponente des Weines spielt hierbei eine günstige Rolle.
11.
Apfelwein wirkt bei der Hochdruckkrankheit blutdrucksenkend und blutdruckstabilisierend.
12.



Besonders Apfelwein in niedriger Dosierung verhindert im Blut die Zusam-
menballung von Fetttröpfchen, die durch Fettstoffe (Cholesterin, ß-Lipo-
proteine, Neutralfette bzw. Triglyzeride) aufgebaut werden, und senkt den Blutfettspiegel.
13.


Apfelwein regt die Flüssigkeitsausscheidung mit Abfluß der Stoffwechsel-
schlacken an (Diurese). Die echten Frankfurter benutzen und schätzen den Rauscher als Herbstreinigungskur.
14.

Apfelwein fängt traurige Stimmungslagen ab und wirkt einer Kontaktarmut entgegen.
15. Ein Glas Apfelwein am Abend fördert die Schlafbereitschaft.
16.

Psycho-vegetative Syndrome (vegetative Dystonie, Neurasthenie, vegeta-
tive Labilität, Spannungszustände, Nervosität) werden gelöst oder gebessert.
17.


Eine Aktivierung der gefäßerweiternden Wirkung könnte über die Verbes-
serung der Herzkranzgefäßdurchblutung (Coronardurchblutung) das Herz- und Kreislaufsystem unterstützen.
18.



Subjektiv wertvoll empfindet der ältere Mensch als Senior die Verbesser-
ung der Gehirndurchblutung, durch die er in seiner geistigen Aktivität gefördert wird. Das bedeutet für viele eine Verzögerung des Alterungs-
prozesses und eine erträglichere Gestaltung desselben. Manche depres-
siven Neigungen und Kontaktarmut können aufgefangen werden.
Noch eine Analyse für Diabetiker
Eine namhafte Frankfurter Großkelterei hat für den „Frankfurter Äpfelwein“ eine Analyse durch die Hessische Lehr- und Forschungsanstalt erstellen lassen. Laut repräsentativem Querschnitt mehrerer Untersuchungen sind in
1 Liter Frankfurter Äpfelwein enthalten:
Brennwerte cal/l max. 366,5
verdauliche Kohlehydrate g/l max. 3,6
Eiweißgehalt mg/l
450,0
Broteinheit /l max. 0,4
Fettgehalt

null
Alkoholgehalt Vol.-% max. 5,8
Zum guten Schluß hier noch einen kleinen Vers vom Emmerich Reeck, der über den Äpfelwein meinte:
Es Stoffche is für alles gut
es fegt de Mage, labt die Schnut,
hilft gege Rheuma, Podagra
Heufiewer, Gicht und Cholera
bringt flotten Gang stets ohne Qual
daswege is es so gesund
so laut de ärztliche Befund.

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